Analog ist auf Dauer teuer – FAS plädiert für die Nutzung von Patientendaten

Der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS, 18.10.2015, S. 21) gebührt das Verdienst, auf den Mißstand der zögerlichen Entwicklung im Ehealth-Bereich aufmerksam zu machen. Die Daten, so Autor Sebastian Balzter, seien in vielfacher Form längst da. Sie würden nur nicht genutzt. Dabei sei es seit jeher eine Domäne der Medizin, Daten zum Wohle des Patienten zu erheben. Der Autor sieht eine Allianz verschiedener Lobbygruppen (Ärzte, Apotheker etc.) die aus Nichtwissen um die Möglichkeiten und Nichtwollen aus wirtschaftlichen Eigeninteressen mit unterschiedlichen Argumenten versuchten, die vom Gesetzgeber seit Jahren geforderte Entwicklung aufzuhalten.

Das stärkste Argument dabei sei der Datenschutz, Balzter hält es für lösbar. Der Autor zeigt nicht nur die immensen wirtschaftlichen Vorteile – Vernetzung spart Mittel – auf, sondern auch den Nutzen für Patienten. So ließen sich zahlreiche Doppeluntersuchungen und Kontraindikationen sowie Wechselwirkungen bei unterschiedlichen Medikamenten vermeiden, wenn Ärzte und Apotheker alle Medikamente kennen würden, die ein Patient auch von anderen Ärzten Patient verordnet bekommt. Das kann dann im besten Fall Menschenleben retten. Auch das immer angeführte Argument, die rund 2000 Krankenhäuser, 140.000 niedergelassene Praxen und 20.000 Apotheken ließen sich nur schwer miteinander vernetzen  – und das auch noch unter Wahrung des Datenschutzes – hält die FAS für lösbar: auch beim Einsatz von flächendeckenden Einsatz von Kreditkarten sei es gelungen, ein sicheres Netz aufzubauen.

Wie es gehen könnte, dürfen sich die Deutschen im europäischen Nachbarland Estland einstweilen ansehen. Dort können Patienten ihre elektronische Akte via Internet einsehen. Auch darauf weist die FAS hin.

Bundesminister Gröhe hat dabei längst erkannt, dass der Gesetzgeber dem Beharrungsvermögen unterschiedlicher Anbieter im Gesundheitswesen mit Zwang nachhelfen muß. Natürlich müssen Fragen des Datenschutzes gelöst werden. Aber dass eine elektronische Gesundheitsakte Transparenz schafft über das gesundheitliche Befinden eines Menschen, aufgesuchte Ärzte und Krankenhäuser, erhobene Befunde, eingeleitete Therapien, verordnete Medikamente, Krankheitsverläufe und Erfolge sowie über den damit verbundenen Aufwand, steht außer Frage. Dass Vernetzung nach erfolgten Investitionen durch sinnvolle Nutzung der Daten massiv Geld sparen kann – immerhin Mittel der Versicherten und damit Patienten – steht ebenfalls außer Frage.

Bleibt die Frage, warum wir das in Deutschland nur äußerst schleppend und wenn dann nur gegen Widerstände der verschiedensten Lobbygruppen umgesetzt bekommen? Vielleicht orientieren sich diejenigen, die eine sinnvolle Vernetzung weiterhin versuchen aufzuhalten schlicht an dem, was die wollen, die es betrifft: am Willen der Patienten und damit der Bürger. Die sind in weiten Teilen inzwischen deutlich weiter, seit das Smartphone Alltag ist.

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