Auch in der Pandemie die Weichen für die Zukunft stellen

Die Pandemie hat eindrucksvoll gezeigt, wie leistungsfähig Kliniken und Pflegeunternehmen sind – und wo wir systembedingte oder selbstversursachte Schwächen haben. Ein guter Zeitpunkt, sich über die Zukunft Gedanken zu machen.

Wissen Sie eigentlich, wie gesund Ihr Klinik- oder Pflegeunternehmen ist? Jede Klinik und jedes Pflegeunternehmen erhebt Daten. Zur Wirtschaftslage (Umsatz, Ebit) , zu Patienten und Bewohnern (Leistungen und Qualität etc.), zum Personal (Altersstruktur, Qualifikation, Personalentwicklung, Ausfallquote nach Bereichen, Dauer Neubesetzung freier Stellen etc.), für Statistiken oder ganz einfach für die Abrechnung. Diese Reihe lässt sich fast beliebig ergänzen. An Daten mangelt es nicht. Daten sind zunächst abstrakt und nur so gut, wie sie vernetzt “miteinander in Beziehung” gesetzt werden und – Schritt 1 – die richtigen Erkenntnisse daraus gezogen und – Schritt 2 – strategische Optionen daraus gebildet werden. 

Doch zurück zum Schritt 1: Kennen Sie Ihre größten Herausforderungen in den jeweiligen Bereichen? Heute, in zwölf Monaten und in zwei Jahren? Das Heute ist in den meisten Kliniken und Pflegeunternehmen geprägt von der Bewältigung der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie. Auf das Geleistete sind Viele zurecht stolz: auf einmal gelingt das, was im Klinik- oder Pflegealltag sonst so schwierig ist: Zusammenarbeit im Team, bereichsübergreifend und über Haus- oder Sektorengrenzen hinaus. Als hätte die existenzielle Bedrohung durch das Virus für den einzelnen Mitarbeiter zu einer gemeinsamen Haltung des Miteinanders geführt. 

Pandemie zeigt was Alles möglich ist

Da gibt es Häuser, in denen Chirurgen, die durch den Wegfall elektiver Eingriffe einfach weniger Patienten hatten, sich von den Anästhesisten des Hauses in der Bedienung von Beatmungsgeräten und in der Behandlung von Beatmungspatienten schulen lassen. Da sind die Pflegekräfte, die wie selbstverständlich dort arbeiten, wo sie gebraucht werden und nicht darauf beharren, dass sie auf “ihrer Station oder in ihrem Bereich” bleiben möchten, auch, wenn an anderer Stelle der Bedarf viel höher ist. Da sind die verschiedenen ambulanten und stationären Anbieter, die durch die Pandemie sektorenübergreifend in einer Region zusammenarbeiten und gemeinsam koordinieren, wer welche Patienten wie versorgt. Das sind nur wenige Beispiele von ganz vielen anderen. 

Viele Verantwortliche in Kliniken und Pflegeunternehmen sind stolz auf das, was ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den letzten Monaten geleistet haben. Das ist gut so, denn darin drückt sich echte Anerkennung und Wertschätzung aus – und die brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu allererst. Gleichzeitig schwingt aber immer auch die Sorge mit, wie lange wir noch mit “der neuen Normalität” leben müssen oder wann Corona endlich vorbei ist. 

Was sind Ihre Zukunftsszenarien

Anders ausgedrückt – oder nun zum Schritt 2: was sind eigentlich unsere größten Herausforderungen in den kommenden Wochen unter Pandemiebedingungen und – vorausgesetzt es gibt qualifizierte Medikamente oder einen Impfstoff – in 2021 falls die Pandemie dann vorbei sein sollte. Wie sehen unsere Szenarien aus? Was haben wir in den vergangenen Monaten gelernt, was wir für die Zukunft unbedingt beibehalten und weiter nutzen möchten? Wie fit und wie reif sind wir für die digitale Transformation? Was haben wir in der Vergangenheit vor Corona gemacht, was wir auf keinen Fall so weitermachen wollen? 

Und: wann haben Sie mit Ihren leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eigentlich gemeinsam zum letzten Mal ausführlich und strukturiert die Kernfrage diskutiert: wie zukunftsfähig sind wir aus heutiger Sicht? Denn daraus lässt sich ein gemeinsam getragenes Zukunftsbild entwickeln. Und das brauchen Sie, wenn es Ihr Unternehmen morgen noch geben soll – unabhängig von den Rahmenbedingungen, Regulierungen und weiteren externen Einflüssen, auf die Sie sowieso keinen Einfluß haben.