Boxen löst keine Konflikte

Manchmal fühle ich mich wie im Boxring.
 
Nein, hier geht es nicht um Sport. Zumindest nicht um das Boxen im Ring. Hier geht um Konflikte.
 
Der, das sagt, ist Geschäftsführer. In einer deutschen Klinik. Was er meint: Die zahlreichen Konflikte in seinem Haus. Insbesondere die Konflikte zwischen Führungskräften und an den Schnittstellen beschäftigen ihn: „Wenn wir das nicht minimiert kriegen, geht das auf die Leistung. Und auf die Qualität“, meint er.
 
Konflikte sind normal. Sie gehören zum Leben. Auch wenn wir uns manchmal nur noch Harmonie wünschen: ohne Konflikte droht Stillstand. Zum Beispiel die Chance, eine gemeinsam getragene bessere Lösung für ein Problem oder eine Fragestellung zu finden.
 
Das Entscheidende: Wie gehen wir mit Konflikten um?
 
Eine Möglichkeit, Konflikte zu lösen ist die nach dem „Harvard Konzept“. Die Grundannahme: Konflikte und damit Konfliktlösungen spielen sich auf zwei Ebenen ab: Es geht immer um Menschen und es geht immer um eine Sache oder ein Thema – und oft auch um mehrere.
 
Vier Aspekte sind nach dem „Harvard Konzept“ entscheidend:
 
1. MENSCHEN: Behandle Menschen und Probleme getrennt voneinander. Oder anders ausgedrückt: Es braucht immer auch eine Beziehungsebene zu den am Konflikt beteiligten Menschen.
 
2. INTERESSEN: Stelle die Interessen von Menschen in den Mittelpunkt, nicht deren Positionen.
 
3. MÖGLICHKEITEN: Je mehr Wahlmöglichkeiten und Optionen du zur Lösung der Konfliktthemen entwickelst, desto besser. Das führt aus den oft in Konflikten erlebten Engpässen und schafft Raum für neue Lösungen.
 
4. KRITERIEN: Auf welche (objektiven) Entscheidungskriterien wollen wir unsere Entscheidungen aufbauen?
 
Konfliktlösungen nach dem „Harvard Modell“ ist eine gute Möglichkeit im Führungsalltag Konfliktlösungen zu gestalten. Eine andere: mediationsanaloges Verhandeln.
 
Meine Erfahrung: Der Wille und die Bereitschaft als Führungskraft Konflikte auch tatsächlich zu lösen, lohnen immer. Konflikte sind teuer, mindern Leistung und Qualität. Und eskalierte Konflikte zerstören Beziehungen.
 
Wenn Sie selbst nicht weiter kommen oder der Konflikt hoch eskaliert ist, gibt es erfahrene externe Verhandler oder Mediatoren, die weiter helfen. Das ist immer sinnvoller, wirtschaftlicher und menschlicher als dauerhaft mit köchelnden Konflikten zu leben oder diese gerichtlich klären zu wollen.
 
Konfliktmanagement funktioniert nicht immer, aber meistens.
 
Der eingangs zitierte Geschäftsführer hat übrigens zunächst eine Bestandsaufnahme der in seinem Bereich bestehenden Konflikt gemacht. Dann hat er die bisherigen Lösungsversuche und die Gründe fürs Scheitern analysiert. Jetzt geht das Team die Konflikte systematisch an. Lösungsorientiert.
 
Übrigens: Ich weiß nicht, was Boxen mit Konflikten zu tun hat. Boxen ist ein Sport, der sich mir nicht erschließt. Für mich ist das beim Thema Konfliktmanagement nicht entscheidend.
 
Was für Sie entscheidend ist: Wie lösen Sie die Konflikte in Ihrem Haus?