Wenn Vertrauen NICHT führt

Die Debatte über eine Impfpflicht von medizinischem Personal gegen COVID-19 ist legitim, aber sie ist unklug.

➡️  Selbstverständlich müssen wir Alles (!) dafür tun, Patienten und Bewohner, aber auch die Mitarbeitenden in Kliniken und Pflegeeinrichtungen zu schützen. Darauf müssen Menschen, die auf Pflege und medizinische Behandlung angewiesen sind, vertrauen können.

➡️  Wir stehen am Anfang einer Impfkampagne. Das RKI weist heute morgen für Deutschland eine Gesamtzahl von 688.782 erfolgten Impfungen für Deutschland aus. Täglich werden ca. 60.000 Personen geimpft. Auch wenn wir perspektivisch deutlich mehr Impfstoff erhalten werden, derzeit ist Impfstoff absolute Mangelware und nicht ausreichend verfügbar.

➡️  Bevor wir über Zwang diskutieren, muss umfassend informiert und aufgeklärt werden. Das ist bisher nicht und wenn überhaupt, nur unzureichend geschehen. Fragen und Zweifel sind zunächst einmal verständlich, berechtigt und dürfen nicht angeprangert werden. Impfen ist ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht – und das muss jeder zunächst für sich allein entscheiden.

➡️  Wir brauchen Informationen und eine gesellschaftliche Debatte, warum es gerade am Anfang wichtig ist, dass sich medizinisches Personal impfen lässt. Wir brauchen fachkundige Vorbilder und Verantwortliche, die öffentlich vorangehen, die Pflegekräften und medizinischem Personal Ängste und Sorgen nehmen – und sich selbst impfen lassen und das auch kommunizieren.

➡️  Wir brauchen keine Politiker, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt über Impfzwang fabulieren und den Ethikrat auffordern, sich damit zu befassen. Das verhärtet die Fronten, sät Zweifel, zerstört Vertrauen und verhindert sachliche Information und Kommunikation. 

➡️  Wenn wir ausreichend Impfstoff haben und die Impfquoten immer noch zu gering sind, ist die Zeit, darüber nachzudenken, welche Möglichkeit wir dann haben, Zweifler und Skeptiker zu überzeugen. Nicht jetzt, sondern dann. Verweigerer werden wir auch dann nicht gewinnen.

➡️  Übrigens: aus Change-Prozessen wissen wir, dass diese nur gelingen, wenn es gelingt, die Betroffenen zu Beteiligten zu machen und davon zu überzeugen, dass der angestrebte Weg für sie persönlich (!) Vorteile gegenüber dem Status quo bietet. Das ist dann Führung. Führung mit Zwang hat in einer freien Gesellschaft noch nie funktioniert, zumindest nicht dauerhaft. 

➡️  Wir dürfen dankbar dafür sein, dass es innerhalb von so kurzer Zeit gelungen ist, mehrere vielversprechende Impfstoffe zu entwickeln, die Licht am Ende des Tunnels erkennen lassen. Je mehr wir über Wirksamkeit, Zuverlässigkeit, Nebenwirkungen und mögliche Langzeitfolgen erfahren, desto mehr Grundlagen haben wir für die jetzt notwendigen Diskussionen und Informationskampagnen.

Zwang führt nicht, Zwang schafft Fronten, Zwang erzeugt kein Vertrauen in die notwendige Zustimmung. 

Ich persönlich lasse mich impfen gegen COVId-19; wenn ich an der Reihe bin und dazu eingeladen werde. Aber das ist meine persönliche Entscheidung.